Dr. Maria Otchir
Der
Vortrag ist ein Bericht über neue Untersuchungen von Pferdebestattungen und
Pferdegeschirren aus skythischen Gräbern. Bislang war dieses Thema wenig
erforscht, mindestens gibt es keine spezielle Forschung darüber. Man
konzentrierte sich meistens auf Konstruktion und künstlerische Verzierung
(Tierstil oder antike Sujets) des Zaumzeugs. Über den Anteil von Gräbern mit
beigegebenen Pferden, ihre räumliche und chronologische Verteilung, die
Besonderheiten der Niederlegung von Pferden (Himmelsrichtung, Lokalisierung der
Grube mit Pferden, ihr Zusammenhang mit der Hauptbestattung und anderen
Nebenbestattungen) gibt es noch keine allgemeine abschließende Aussagen. Da
archäologische Daten über die Bedeutung von Pferdebestattung im Tortenritual
skythischer Gruppen nicht in zufriedenstellendem Maße zur Verfügung stehen, ist
es immer noch nicht geklärt, ob bei den Skythen ein elaborierter Pferdekult
praktiziert wurde oder ob die Pferde sehr prestigeträchtige Opfergaben waren
oder ob sie nur ein schön aufgerüstetes Transportmittel oder eine Beigabe für
die komfortable Reise in Jenseits darstellten.
Die präzise Analyse der obengenannten
Besonderheiten hat gezeigt, dass die erste entscheidende Rolle das Geschlecht
der verstorbenen Person spielte und zweitens, ob es sich um eine
Hauptbestattung, Nach- oder Nebenbestattung handelte. Der Aufbau der
fürstlichen und der einfacheren Kurgane wurde nach bestimmten Regeln
durchgeführt. In mehreren Fällen konnte man bemerken, dass im Plan der Kurgan
nach dem Status der Verstorbenen in drei Bereiche aufgeteilt wurde. Auch im
Profil kann man die gleiche Verteilung erkennen. Die Pferde und - Pferdeknechte
- durften in den dritten Bereich gelegt werden. In der Regel befanden sich die
Pferdebestattungen an der westlichen Seite des Grabes. In dem Fall, wenn der
Verstorbene eine „gespiegelte Orientierung“ mit seinem Kopf hatte, dann wurde
auch die Kurganplanung gespiegelt. In der Folge wurden die Pferde auf der
östlichen Seite niedergelegt.
Die
durchgeführte Analyse überzeugt uns, dass Pferdebestattungen im skythischen
Grabritus eine wichtige aber untergeordnete Rolle besaßen. Der Platz und die
Art der Niederlegung der Pferde in ihrer Grube zeigt, dass bei Ihnen wichtige
Indizien für Tieropfer fehlen, z.B. hervorgehobener Platz und gefesselte
Extremitäten.
Den
Zaumzeuggarnituren lassen sich vier Stilgruppen zuweisen: Tierstil verzierte
Gruppe 1; Tierstil verzierte Gruppe 2; Antikmotiv verzierte Gruppe; Thrakischer
Stil verzierte Gruppe. Die beiden Tierstil verzierten Gruppen stehen für
unterschiedliche Zeitphasen. Daher soll die erste Gruppe als frühe und die
zweite als spätere bezeichnet werden. Die Zaumgarnituren der späteren Tierstil
verzierten Gruppe wurden kombiniert mit Antikmotiv verzierten Garnituren.
Thrakischer Stil verzierte Garnituren zeigen die persönlichen, dynastischen
oder diplomatischen Beziehungen.
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