Tanais – eine Griechenstadt am Dondelta

 

Im 3. Jh. v. Chr. entstand an der Mündung des heutigen Don eine griechische Niederlassung, welche sich auf der Basis eines äußerst lukrativen Warenaustausches in kürzester Zeit zu einem herausragenden wirtschaftlichen Zentrum für das gesamte Umland entwickelte. An der Schnittstelle zum steppennomadischen Kulturkreis bildete Tanais dabei die Drehscheibe unterschiedlicher kultureller Erzeugnisse und Traditionen, die für die Herausbildung eines einzigartigen Gesellschaftssystems bestimmend gewesen sind: Einerseits war Tanais als befestigter Außenposten des Bosporanischen Reiches ein sichtbares Zeichen für das Vor-dringen griechischer Kultur in diesem Raum; andererseits lässt sich in dieser Stadt aber auch ein mit der Lokalbevölkerung auf Interaktion und Integration ausgerichtetes Handeln nachweisen, welches im archäologischen Befund seinen Niederschlag findet.

Langjährige deutsch-russische Ausgrabungen in der Kernstadt von Tanais haben dabei wesentlich zum Verständnis dieser Stadt und ihrer überregionalen Bedeutung als Mittler zwischen den Kulturen beigetragen. Sie sollen daher auch im Mittelpunkt des Vortrages über eine Region stehen, die mit zu den interessantesten in der Antike zählt.

 

Einführende Literatur:

 

T. M. Arsen’eva/D. B. Šelov, Das antike Tanais – Forschungen und Geschichte. Klio 70, 1988, 372–403.

 

T. M. Arsen’eva/J. Fornasier, Griechen am Don. Die Grabungen in Tanais 2001. Eurasia Antiqua 8, 2002, 389–414.

 

B. Böttger, Griechen am Don. Die Grabungen in Tanais. Archäologischer Anzeiger 1995, 99–118.

 

B. Böttger/J. Fornasier/T. M. Arsen’eva, Tanais am Don. Emporion, Polis und bosporanisches Handelszentrum. In: J. Fornasier/B. Böttger (Hrsg.), Das Bosporanische Reich. Der Nordosten des Schwarzen Meeres in der Antike (Mainz 2002) 69–85.

 

Д. Б. Шелов, Танаис и Нижний Дон в IIII вв. до н. э. (Москва 1970).

 

Д. Б. Шелов, Танаис и Нижний Дон в первые века нашей эры (Москва 1972).