Ulrich Sens, M.A.
(Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg, Institut für Klassische Alertumswissenschaften)
Fundkontexte griechischer Keramik in Kolchis und Iberien: Möglichkeiten
und Grenzen der Interpretation
Um die in den antiken Quellen genannten, allerdings
nicht ausgegrabenen bzw. lokalisierten, griechischen Kolonien der östlichen
Schwarzmeerküste, Phasis, Gyenos und Dioskurias, gruppieren sich kleinere
Siedlungen, Einzelgehöfte und Gräber mit griechischer Keramik, die teilweise
bis in die 1. Hälfte des 6. Jhs. v. Chr. zurückreicht. Besonders erstaunlich
ist die große Anzahl griechischer Gefäße, die in Pitschwnari zutage kam,
einem Fundort, der von keinem antiken Autor erwähnt wird.
Im Binnenland der Kolchis und der sich östlich anschließenden
Landschaft Iberien läßt sich die Verbreitung griechischer Keramik entlang
der Flußtäler von Rioni, Kvirila und Kura beobachten. Sie tritt in diesem
Gebiet in archaischer und klassischer Zeit hauptsächlich in ‘Fürstengräbern’
auf, die sich durch ein bestimmtes Inventar (Schmuck und Gefäße aus Edelmetall,
Pferdegeschirre, Importwaren, Waffen) auszeichnen.
Erst in hellenistischer Zeit erscheinen in der lokalen
Keramik in größerer Anzahl Nachahmungen griechischer Formen, jetzt auch
in Gräbern, die vermutlich einfacheren Bevölkerungsschichten zuzuschreiben
sind.
Für das Küstengebiet machen die Kartierung von Funden
griechischer Keramik im Umland der Kolonien und die Interpretation der entsprechenden
Fundkontexte deutlich, daß auch hierdurch Rückschlüsse auf die ‘zentralen’
griechischen Niederlassungen möglich sind, wenn auch andere Fundgattungen,
wie etwa Inschriften, Stelen oder Münzen, größere Aussagekraft besitzen.
Insbesondere bei Keramikfunden in Gräbern sind aufgrund der oft schwierigen
oder unmöglichen ethnischen Zuweisung der Interpretation enge Grenzen gesetzt.
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